Was steigende Kartengebühren für kleine Unternehmen bedeuten
Nimm deine letzte Abrechnung für Kartenzahlungen zur Hand und vergleiche sie mit einer von vor einem Jahr. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Zahlen nicht mehr übereinstimmen, und das nicht zu deinen Gunsten. Hier die nüchterne Wahrheit: Kartengebühren steigen seit Jahren leise, aber stetig, in Unternehmen weltweit, und Deutschland bildet da keine Ausnahme. 2025 wurden laut der Zahlungsverkehrsstatistik der Deutschen Bundesbank rund 14,5 Milliarden Kartenzahlungen über deutsche Zahlungsdienstleister abgewickelt, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Kartenzahlungen machen damit inzwischen rund 43 Prozent aller Zahlungen von Nichtbanken aus.
Wenn du ein kleines Unternehmen führst, ist das mehr als nur Hintergrundrauschen. Kartengebühren gehören zu den Kosten, die selten eine eigene Zeile im Budget bekommen, sie liegen einfach im Hintergrund und knabbern bei jedem Verkauf ein Stück von deiner Marge ab. Und weil sie meist als Prozentsatz des Umsatzes berechnet werden und nicht als fester Betrag, wachsen sie genau im gleichen Tempo wie dein Erfolg. Je mehr du verkaufst, desto mehr zahlst du, eine seltsame Art von Kosten, über die man erstaunlich wenig Kontrolle hat.
Schauen wir uns also genau an, was hier eigentlich passiert: warum die Gebühren weiter steigen, was tatsächlich in diesem Prozentsatz steckt, den man dir berechnet, und was ein kleines Unternehmen konkret dagegen tun kann.
Was steckt eigentlich in einer "Kartengebühr"?
Wenn wir bei einem kleinen Unternehmen von Kartengebühren sprechen, was bedeutet das eigentlich in der Praxis? Meist stecken drei unterschiedliche Dinge hinter dieser einen Zahl:
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Interchange-Gebühr: Diese geht an die Bank, die die Karte des Kunden ausgegeben hat, nicht an deinen Zahlungsdienstleister. In Deutschland und der gesamten EU ist dieser Teil gesetzlich gedeckelt, auf 0,2% bei Debitkarten und 0,3% bei Kreditkarten von Privatkunden, gemäß der EU-Verordnung 2015/751. Das ist tatsächlich eine gute Nachricht, denn der größte einzelne Bestandteil deiner Kartengebühr kann nicht einfach beliebig angehoben werden. Besonders interessant für Deutschland: die hierzulande weit verbreitete Girocard nutzt die deutsche Bankeninfrastruktur ohne die Scheme Fees von Visa oder Mastercard, wodurch sie mit Gesamtkosten von oft nur rund 1,0% des Umsatzes die günstigste Zahlungsart überhaupt bleibt, verglichen mit 1,5 bis 2,5% bei internationalen Kreditkarten.
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Scheme Fee (Netzwerkgebühr): Diese Gebühr geht an die Kartenorganisation selbst (Visa oder Mastercard) für die Nutzung ihrer Infrastruktur. Anders als die Interchange-Gebühr ist sie nicht gedeckelt, und genau hier kommt der Großteil des jüngsten Preisdrucks her. Zusatzgebühren wie der Market Development Fund, die Acquirer Volume Fee oder der Card Payment Promotion Fund können dazu führen, dass eine Mastercard-Zahlung um bis zu 0,25 Prozentpunkte teurer ist als eine vergleichbare Visa-Zahlung, was es fast unmöglich macht, im Voraus genau zu wissen, welche Gebühr bei einer bestimmten Kartenzahlung tatsächlich anfällt.
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Acquirer Fee (Händlermarge): Das ist der Teil, den dein Zahlungsdienstleister oder Kassensystem-Anbieter selbst obendrauf schlägt. Von den drei Gebühren ist das die einzige, die du tatsächlich verhandeln kannst, da Interchange-Gebühr und Scheme Fee beide außerhalb der Kontrolle deines Anbieters liegen.
Zählst du alle drei zusammen, erhältst du deine effektive Rate, den tatsächlichen Gesamtprozentsatz, den du zahlst, sobald wirklich alles eingerechnet ist, gemessen am gesamten Kartenumsatz. Als grober Richtwert gilt: Liegt ein stationäres, girocardlastiges Geschäft dauerhaft über 0,70%, lohnt sich ein genauer Blick auf Vertrag, Mindestentgelte und Nebenkosten.
Warum steigen die Kartengebühren immer weiter?
Ah, die Millionen-Euro-Frage schlechthin. Um sie zu beantworten, muss man verstehen, dass hier mehrere Dinge gleichzeitig passieren, also geh nicht einfach davon aus, dass nur dein Zahlungsdienstleister schuld ist. Das steckt dahinter:
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Scheme Fees steigen weiter, selbst wenn sich bei der Interchange-Gebühr nichts tut: Weil Scheme Fees außerhalb der EU-Deckelung liegen, haben Visa und Mastercard hier deutlich mehr Spielraum, Preise anzuheben, und das tun sie auch, oft über kleine, kaum wahrnehmbare Zusatzposten statt einer einzigen, offensichtlichen Erhöhung.
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Internationale und Firmenkarten kosten spürbar mehr: Firmenkreditkarten fallen komplett aus der EU-Deckelung heraus, und internationale Karten (aus Nicht-EU-Ländern) ebenfalls, was bedeutet, dass Unternehmen mit vielen Touristen oder Geschäftsreisenden als Kunden systematisch höhere Gebühren zahlen.
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Das Kartenverhalten verändert sich: Immer mehr Kunden zahlen mit dem Smartphone oder der Smartwatch statt mit der klassischen Karte, der Anteil mobil ausgelöster Kartenzahlungen hat sich zwischen 2022 und 2024 von 5% auf 16% mehr als verdreifacht, und mit App-basierten Zahlungen wie Apple Pay, bei denen häufig eine Kreditkarte hinterlegt ist, steigen automatisch auch die teureren Kreditkarten-Transaktionen bei Visa, Mastercard und Co.
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Fast alles davon landet am Ende beim Händler: Steigen die Großhandelskosten irgendwo im System, werden sie selten leise irgendwo unterwegs aufgefangen, sie tauchen zuverlässig auf der eigenen Abrechnung auf.
Es lohnt sich aber, auch die Gegenseite zu sehen: Bargeld ist keineswegs automatisch die günstigere Alternative. Die Deutsche Bundesbank hat ermittelt, dass die Bargeldhandhabung (Zählen, Wechselgeld, Bankeinzahlungen, Schwund) Unternehmen zwischen 0,5 und 1,0% des Umsatzes kostet, teilweise sogar mehr als die Kartenzahlung selbst. Und der Trend geht ohnehin klar in Richtung Karte: 2025 wurden laut Bundesbank bereits 55% aller Zahlungen in Deutschland bargeldlos abgewickelt.
Eine neue Regel könnte das Thema noch dringlicher machen
Ganz aktuell kommt noch etwas Größeres hinzu. Laut einem Eckpunktepapier, das das Bundesfinanzministerium am 11. September 2026 an die anderen Ressorts verschickt hat, plant die Bundesregierung eine Kartenzahlungspflicht: Jedes Unternehmen, das vor Ort kassiert, also Bäckerei, Friseursalon, Kiosk, Kneipe oder Supermarkt, soll künftig neben Bargeld mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten müssen. Welche Methode das konkret ist, entscheidet der Betrieb selbst, mindestens ein europäisches Zahlungsverfahren muss aber dabei sein. Für Unternehmen, die bisher rein auf Bargeld gesetzt haben, würde das bedeuten, dass Kartengebühren schon bald kein "Ob", sondern nur noch ein "Wie" sind.
Was kleine Unternehmen konkret tun können
Die gute Nachricht: Du bist steigenden Gebühren nicht komplett ausgeliefert, es gibt einiges, das du tun kannst. Ein paar Tipps:
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Schau dir deine Abrechnungen wirklich genau an: Das klingt banal, aber die Realität ist, dass die meisten Unternehmen ihre aktuelle Abrechnung nie mit der von vor einem Jahr vergleichen. Nimm beide zur Hand und achte gezielt auf deine effektive Rate (Gesamtgebühren geteilt durch Kartenumsatz), nicht nur auf den Prozentsatz, den man dir beim Vertragsabschluss genannt hat.
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Fordere eine getrennte Ausweisung statt einer Mischkalkulation: Lass dir Girocard, EU-Kreditkarten, Firmenkarten und Nicht-EU-Karten separat aufschlüsseln. Gerade Firmenkarten liegen oft deutlich über den gedeckelten EU-Sätzen, ohne dass das auf den ersten Blick auffällt.
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Wisse, welcher Teil deiner Gebühr überhaupt verhandelbar ist: Die Interchange-Gebühr ist gesetzlich fixiert, die Scheme Fee legen Visa und Mastercard fest. Aber die Marge, die dein Anbieter selbst obendrauf schlägt? Die liegt vollständig in seiner Hand, und genau darüber lohnt sich ein Gespräch.
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Frag nach einer Vertragsüberprüfung, besonders wenn dein Umsatz gewachsen ist: Ist dein Kartenumsatz seit Vertragsabschluss gestiegen, hast du mehr Verhandlungsspielraum, als du vielleicht denkst.
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Achte auf versteckte Gebühren: PCI-Compliance-Gebühren, Grundgebühren, Mindestentgelte und diverse "Bearbeitungsgebühren" können deine Rechnung unbemerkt aufblähen, ohne echten Mehrwert zu bieten. Frag deinen Anbieter ruhig nach jeder Position, die du nicht auf Anhieb verstehst.
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Prüfe, ob dein Kassensystem und deine Zahlungsabwicklung wirklich zusammenspielen: Ein Großteil der versteckten Kosten und Reibungsverluste entsteht dadurch, dass Kassensystem und Kartenterminal getrennt laufen und nicht richtig miteinander kommunizieren. Ein einziges System, das Kasse und Zahlung zusammen abwickelt, sorgt meist für klarere, transparentere Preise und weniger manuelle Fehler. Wie so ein integriertes System für die Gastronomie konkret aussehen kann, zeigt unsere Übersicht zum Kassensystem für Gastronomiebetriebe.
Das Fazit
Kartengebühren werden nicht verschwinden, und ausgerechnet die Teile ohne Deckelung, vor allem die Scheme Fees, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen. Aber steigende Gebühren müssen nicht unsichtbar bleiben. Die Unternehmen, die am Ende besser dastehen, sind nicht die, die irgendeinen geheimen Trick gefunden haben, sondern die, die wirklich verstehen, wofür sie zahlen, die verhandelbaren Teile hinterfragen, und sich für Anbieter entscheiden, die ihre Preise nicht im Kleingedruckten verstecken. Epos Now steht genau für diese Art von Transparenz bei Kassensystem und Zahlungsabwicklung.
Deine Kartengebühren gehören zu den wenigen Kosten in deinem Unternehmen, die du tatsächlich verhandeln kannst. Es lohnt sich, sie auch so zu behandeln.
Häufig gestellte Fragen
- Ist meine Kartengebühr in Deutschland überhaupt gesetzlich gedeckelt?
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Nur teilweise. Die Interchange-Gebühr ist EU-weit gedeckelt, auf 0,2% bei Debitkarten und 0,3% bei Kreditkarten von Privatkunden. Firmenkarten und internationale Karten fallen jedoch komplett aus dieser Deckelung heraus, und die Scheme Fee der Kartennetzwerke ist überhaupt nicht reguliert.
- Warum ist die Girocard günstiger als eine Kreditkarte?
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Weil sie über die deutsche Bankeninfrastruktur läuft und dabei die Scheme Fees von Visa oder Mastercard komplett umgeht. Dadurch bleibt sie mit Gesamtkosten von oft nur rund 1,0% des Umsatzes die günstigste Zahlungsart, verglichen mit 1,5 bis 2,5% bei internationalen Kreditkarten.
- Was hat es mit der geplanten Kartenzahlungspflicht auf sich?
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Laut einem Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums von September 2026 soll ab 2027 jedes Unternehmen, das vor Ort kassiert, mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit neben Bargeld anbieten müssen. Welches Verfahren genau, entscheidet der Betrieb selbst, solange mindestens ein europäisches Zahlungsverfahren dabei ist.
- ¿Por qué cuestan más las ventas online que las presenciales?
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Las transacciones sin tarjeta física presente, como las compras online, por teléfono, o introducidas manualmente, implican más riesgo de fraude al no poder verificarse con el chip de la tarjeta. Las redes de tarjetas cobran comisiones más altas para compensar ese riesgo.
- Ist Bargeld nicht einfach günstiger als Kartenzahlung?
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Nicht unbedingt. Die Deutsche Bundesbank hat ermittelt, dass die Handhabung von Bargeld (Zählen, Wechselgeld, Bankeinzahlungen, Schwund) Unternehmen zwischen 0,5 und 1,0% des Umsatzes kostet, teils sogar mehr als eine Kartenzahlung.
- Warum kann eine Mastercard-Zahlung teurer sein als eine Visa-Zahlung?
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Wegen zusätzlicher Scheme-Fee-Bestandteile wie dem Market Development Fund oder der Acquirer Volume Fee, die bei Mastercard anfallen können. Dadurch kann eine Mastercard-Zahlung um bis zu 0,25 Prozentpunkte teurer sein als eine vergleichbare Visa-Zahlung.